Nix HiPP HiPP Hurra! Oder auch: Warum ich den Chinesen dankbar bin…

21. Oktober 2015 , In: Tina , With: One Comment
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Nachdem ich ja nicht stille, habe ich mir bereits vor der Geburt meiner Tochter Gedanken gemacht, welche Babynahrung ich ihr denn geben werde. Habe Internetforen durchkämmt, Freundinnen befragt und Öko-Tests runtergeladen. Mit dem Ergebnis, dass ich mir all dies hätte sparen können. Denn in der Klinik, wo ich Liv zur Welt gebracht habe, wurde HiPP gefüttert. Und die meisten Eltern werden das kennen: Wenn man einmal mit einer Babynahrung begonnen hat, bleibt man meistens auch dabei. Das hat der Herr HiPP schon sehr schlau gemacht, dass er sich entschieden hat, die Kliniken zu subventionieren. Bei Pampers schaut das übrigens nicht anders aus.

Also hatte mein Freund den Auftrag bekommen, massenweise HiPP-Milchnahrungs-Packungen zu besorgen. Hat er dann auch brav gemacht, er war nur etwas verwundert, dass er nur drei Packungen kaufen durfte. Aber nachdem Liv ja gerade mal vier Tage auf der Welt war, hatten wir andere Sorgen, als uns über eine Limitierung der Milchnahrung Gedanken zu machen.

Die Tage vergingen, sowohl Liv als auch unsere Augenschatten wurden größer, die Babynahrung weniger. Auffällig war nur, dass Liv ungefähr 15 Mal am Tag Stuhlgang hatte. Ich bin mir sicher, dass keine Familie in gesamt München so einen Windelverbrauch hatte wie wir. Nachdem uns das ganze etwas seltsam vorkam, sind wir schließlich zum Kinderarzt gegangen. Der meinte nur kurz, wir sollen mal abwarten, ob es besser wird. Ansonsten könnte es entweder eine Laktose-Intoleranz oder eine Kuhmilchallergie sein. Super dachte ich mir, fängt ja schon bestens an! Ich stellte mir bereits vor meinem geistigen Auge vor, wie ich alle paar Wochen zum Kinderarzt renne, um ein Rezept zu holen, mit dem ich dann sündhaft teure Spezialnahrung in der Apotheke kaufen kann. Ach ja, nicht zu vergessen, dass ich natürlich wieder stundenlang Google befragt habe, wie wahrscheinlich so eine Laktose-Intoleranz bei Babys ist, ob Liv nieeeeemals im Leben ein Kinderüberraschungs-Ei essen darf und was der konkrete Unterschied zwischen Kuh- und Ziegenmilch ist. Auch das hätte ich mir alles sparen können. Aber dazu später mehr.

Liv hat also weiter fleißig gegessen beziehungsweise getrunken, Pampers war kurz davor, uns zum VIP-Kunden zu ernennen und es war an der Zeit, neues HiPP-Pulver zu kaufen, da dies langsam zur Neige ging. Fünf Drogeriemärkte später standen wir mit einem quengelndem Kind, dafür ohne einer einzigen Packung Babynahrung da. ALLES ausverkauft! Zuhause angekommen, wollten wir wissen, was die leeren HiPP-Regale zu bedeuten haben. Denn das seltsame war: die meisten anderen Marken gab es! Des Rätsels Lösung war, dass es vor einigen Jahren in China einen Nahrungsmittelskandal mit verseuchtem Milchpulver gab, bei dem einige Babys gestorben und schätzungsweise 300.000 Babys schwer erkrankt sind. Seitdem haben die Chinesen das Vertrauen in die eigene Babynahrungsmittelindustrie verloren und lassen sich das Pulver von Verwandten oder geschäftstüchtigen chinesischen Studenten aus Deutschland schicken – zu horrenden Preisen. Was dazu führt, dass man in München inzwischen leichter an Drogen als an HiPP Babynahrung kommt.

Wer den genauen Hintergrund wissen möchte, klickt einfach hier.

Unser Glück war, dass am nächsten Tag der Hebammentermin war. Der ich erzählte, dass ich mich in Zukunft weigern würde, diese kriegsähnliche Babynahrungs-Situation weiter hinzunehmen. Und dass ich aber auch keine Lust hatte, Babynahrung aus der Apotheke zu holen. Mit stoischer Ruhe riet sie mir dann einfach, die Nahrung zu wechseln. „Töpfer“ war ihr Vorschlag. Ein Schweizer Hersteller, der ebenso Bio-Milchnahrung produziert, aber bei uns relativ unbekannt ist. Gesagt, getan. Quintessenz war, dass Liv nach genau 48 Stunden!!! nur noch ein bis zwei Mal am Tag Stuhlgang hatte, ihr Bauchweh wurde weniger und wir mussten nicht mehr täglich eine Mülltüte voller Babywindeln entsorgen. Ach ja, und ich hatte wieder mehr Nerven, da es die Chinesen nicht auf Töpfer abgesehen haben und man ohne Probleme auch gleich fünf Packungen kaufen kann. Und die Wörter „Laktose-Intoleranz“ und „Kuhmilch-Allergie“ stehen seitdem auch nicht mehr im Google-Verlauf.

Jedes Mal, wenn ich jetzt an der Drogeriemarkt-Kasse stehe und Chinesen vor mir Babynahrung kaufen, lächle ich sie an. Denn schließlich sind sie ja der Grund, weshalb ich dann doch so schnell Livs Nahrung gewechselt habe und sich alles zum Guten gewendet hat. Der einzige Mensch, bei dem ich allerdings immer noch ein schlechtes Gewissen habe, ist der Rossmann-Mitarbeiter, dem ich unterstellt habe, dass er schuld wäre, wenn meine Tochter verhungert. Dafür schäme ich mich auch heute noch ein bisschen.

 

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Tina und Meike

Als Mütter wissen wir: Den geraden Weg gibt es nicht! Getreu unserem Motto „Wenn´s durch den Haupteingang nicht geht, dann nehmen wir eben die Seitentür“ suchen wir nach (technischen) Gadgets und anderen erzieherischen Überlebenshilfen und nehmen Euch ganz nebenbei mit auf eine humorvolle Reise durch unser Seelenleben. Erziehungsvorsprung durch (Überlebens-)Technik? Lasst es uns herausfinden!