Warum Jim Morrison meine Tochter glücklich macht

19. Mai 2016 , In: Tina, ZweiBlicke , With: 2 Comments
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Ich weiß eigentlich gar nicht mehr wie alles angefangen hat. Ich war etwa 13 Jahre alt als ich die Doors für mich entdeckt habe. Eigentlich war gerade die Zeit, in dem alle anderen Teenager Bon Jovi, Guns´n Roses oder INXS gehört haben. Aber ich war eben nicht in Jon Bon Jovi oder Michael Hutchence, sondern in Jim Morrison verschossen. Ich hatte mir im WOM – was soviel hieß wie „World of Music“ und damals DER Platten- und CD-Laden in München schlechthin war – sämtliche Doors-Alben geholt und diese Tag und Nacht rauf unter runter gehört. Selbst beim Schüleraustausch in Feurs bin ich meiner Gastfamilie mit meiner Doors-Euphorie so auf die Nerven gegangen, dass sie mir zum Abschied ein Songbook mit sämtlichen Texten, die die Band jemals geschrieben hat, geschenkt haben. Woraufhin ich sämtlich Lieder auswendig gelernt habe. Hätte ich so viel Ehrgeiz in der Schule an den Tag gelegt, wäre ich eine Einser-Schülerin geworden.

Die Mischung aus Genie und Zerbrechlichkeit, die Jim Morrison ausgestrahlt hat und die auch seine Songs wiederspiegeln, hat es mir bis heute angetan. Wobei ich heutzutage meistens nur noch ein müdes Lächeln ernte, wenn ich erzähle, dass ich Doors-Fan bin. Die Stones kennen alle noch, die Doors sind bei vielen bereits in Vergessenheit geraten.

Aber nach wie vor gibt es Tage, an denen ich das Doors-Songbook zur Hand nehme, es durchgehe und schaue, wie viele Texte ich noch auswendig kann.

Im August 2015 kam dann Liv auf die Welt.

Viele meiner Freunde singen ihren Kindern Lieder vor. Schlaflieder, Beruhigungslieder, Spaßlieder. Kinderlieder halt. Irgendwie konnte ich das aber nicht. Erstens, weil ich – und das mag jetzt egoistisch klingen – die meisten Kinderlieder doof finde (warum sollte beispielsweise ein Vater Schafe hüten und die Mutter Bäume schütteln?!?) und ich mir zweitens – und das könnte ein Resultat daraus sein – die banalsten Kinderliedtexte nicht merken kann.

So habe ich angefangen, Liv Doors-Songs vorzusingen oder via Spotify abzuspielen und dabei mir ihr zu tanzen. Im Laufe der Zeit ist so „People are strange“ zu UNSEREM Lied geworden. Fast täglich haben wir – seit Liv zwei Wochen alt war – eine Tanzeinlage gemacht. Und sobald mittlerweile die ersten paar Takte ertönen fängt Liv an zu grinsen. Und wir tanzen. Und freuen uns. Und Liv lacht. Und ist glücklich.

Und ich stelle mir vor, wie es ist, wenn Liv irgendwann mal 50 oder 60 ist und dieses Lied hört. Ob sie sich dann noch an die Zeit erinnern kann, als sie mit ihrer Mutter lachend durch das Wohnzimmer gehüpft ist. Oder ob sie vielleicht die Augen verdreht weil sie den Song partout nicht mehr hören kann.

Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nur, dass uns The Doors momentan sehr glücklich machen und ich beim nächsten Paris-Besuch erneut am Cimetière du Père Lachaise vorbeischauen werde, um das Grab von Jim Morrison zu besuchen. Um mich zu bedanken, wie glücklich er uns mit seiner Musik macht. Auch wenn ich dieses Mal keine Rose oder Zigarette sondern einen Schnuller auf seinem Grabstein hinterlegen werde.

Jim Morrison Grab

People are strange when you’re a stranger,

Faces look ugly when you’re alone

Women seem wicked when you’re unwanted,

Streets are uneven when you’re down,

When you’re strange

Faces come out of the rain when you’re strange

No one remembers your name when you’re strange

When you’re strange

When you’re strange

 

    • Bernd Ohlmann
    • 19. Mai 2016
    Antworten

    „Wild child full of grace.
    Savior of the human race.
    Your cool face.“

    • Tina Kaiser
      • Tina Kaiser
      • 19. Mai 2016
      Antworten

      „With hunger at her heels
      Freedom in her eyes
      She dances on her knees“
      🙂

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