Kam die Polizei und sagt…

18. Februar 2016 , In: Meike, ZweiBlicke , With: One Comment
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Lieber Freund und Helfer!

Ich weiß, unsere Beziehung ist ja ohnehin ein wenig vorbelastet seit ihr mich vor über acht Jahren einmal dabei erwischt habt, wie ich hochschwanger im neunten Monat kurz auf der Strasse parkte, um mir zwex Schwangerschaftsgelüsten ganz dringend zwei Eisbecher mit Schokosauce vom Mc Donalds zu holen.

Kaum, dass ich mit meinem dicken Bauch voran mühsam wieder raus gewatschelt kam, habt ihr mir auch schon stolz den Strafzettel unter die Nase gerieben und es euch nicht nehmen lassen, mich zur Schnecke zu machen. Ich hab euch gefragt, ob man da wirklich so streng sein muss, wenn der kleine Mann im Bauch so unbedingt ein Eis haben will und die Antwort war herzlos und zynisch: „Na! So sann die Vorschriften! Auch für Sie!“

Wenn da wenigstens was Witziges gekommen wäre oder irgendwas anderes, das auf ein humanes Innenleben hätte schließen lassen, aber nein, da war keine Regung zu sehen. Nicht der kleinste Hauch eines Lächelns. Kurz hab ich ja überlegt wie ihr wohl reagiert hättet, wenn nicht ein Wal sondern eine kurvige Blondine im knappen Röckchen angestöckelt gekommen wäre. Aber das war nur ein Gedanke, ehrlich, keine Unterstellung.

Seit ihr dann festgestellt habt, dass ich auch so eine bin, die vor der Grundschule ihres Kindes gerne mal in zweiter Reihe hält, ist es mit dem letzten bisschen Freundschaft ganz vorbei. Das stößt euch nämlich übel auf, weil es ist VERBOTEN. Und natürlich habt ihr damit völlig recht im Sinne des Rechts! Aber jetzt mal abseits der Korinthenkackerei betrachtet: Das Halten dauert in 99,9% der Fälle nicht länger als zwei Minuten. Wenn überhaupt.

Was ich in den oft nicht einmal zwei Minuten meines Haltens mache, ist schnell erklärt.

Ich springe aus dem Auto, renne zur Beifahrertür, schnappe mir Sohn und Schulranzen und bringe beide wohlbehalten über die Straße zur Eingangstür der Schule. Ich drücke Matheo einen Abschiedskuss auf, nehme dann sogleich wieder die Beine in die Hand und hechte zurück zu meinem fahrbaren Untersatz, öffne die Tür, steige ein und fahre weg! So. Mehr isses nicht. Zwei Minuten! Wenn überhaupt.

Im Prinzip und im Sinne der Menschlichkeit und im Sinne dessen, dass wir in Herrgottsnamen echt ganz andere schwerwiegende Probleme auf dieser Welt haben, wäre zumindest diese eine Sache doch so leicht.

Warum seht ihr nicht einfach mal großzügig darüber hinweg, dass ich – wie übrigens all die anderen berufstätigen Mütter oder Väter, die gleich weiter ins Büro oder auf einen Termin müssen – definitiv nicht die Muse habe, morgens um viertel vor acht erst noch 17 mal ums Eck zu fahren, um irgendwo am A… der Welt einen legalen Parkplatz zu ergattern? Nur um dann von dort aus im Schweinsgalopp bis zur Schule mit Sohn, Schulranzen, Sportbeutel oder weiß der Geier was im Schlepptau zu rennen.

Noch dazu, wo ich gar nicht parken will! Sondern halten! Nur kurz, nicht mal zwei Minuten!

Stattdessen aber musste ich heute schon wieder damit leben, dass ihr mich strafend und mit erhobenem Zeigefinger  anseht, als hätte ich gerade absichtlich eine Omi vor ein Auto geschubst, und mir erklärt, dass ich hier nicht halten darf und nun mit einer Geldstrafe zu rechnen hätte. Diese Tatsache ist mir bekannt und trotzdem kriege ich es nicht anders gebacken als so. Ich KANN nicht noch früher aufstehen als eh schon, das überlebe ich nicht. Aber euch das zu erklären hat auch nichts gebracht.

Und dann wartet ihr manchmal auch noch ein paar Meter weiter und beobachtet mich, ob ich auch wirklich nicht doch stehen bleibe. Ein wenig übertrieben, findet ihr nicht? Matheo hat mich sogar schon mal gefragt, ob man dafür ins Gefängnis kommt. Um ehrlich zu sein, weiß ich die Antwort gar nicht. Kann man?

Aber lassen wir doch mal die Kirche im Dorf. Mit meinem Parken schade ich definitiv niemandem, ich behindere auch niemanden. Es ist nämlich nicht so, dass die Strasse vor der Schule meines Sohnes nur so breit wäre wie die Eingangstüren der Häuser in Hobbingen. Dann würde ich die ganze Aufregung ja sogar und absolut verstehen.

Aber die Strasse ist breit. Breiter als breit. Auf jeden Fall so breit, dass man ohne weiteres in zweiter Reihe halten, ohne auch nur irgendeinem Menschen deswegen im Weg zu sein, denn das ist euer Argument.

Auch wenn mir völlig klar ist, dass ihr nur eure Pflicht tut, so gibt es doch etwas, das man „Gnade vor Recht ergehen lassen“ nennt. Das haben die im alten Rom schon gemacht.

Leider kommen in den Genuss dieses Sprichworts in unseren Breitengraden scheinbar aber nur die Leute, die so richtig viel Dreck am Stecken haben. Kinderporno-glotzende Politiker zum Beispiel, die aber trotzdem in der Partei bleiben dürfen oder Pfarrer, die kleine Jungs und Mädchen schänden. Auch die dürfen im Amt bleiben – aus welchen Gründen auch immer.

Ich weiß, ich weiß, dafür könnt ihr nichts! Ihr seid nur ausführendes Organ. Sorry, da geht einfach die Wut mit mir durch!

Vielleicht bin ich ja wirklich naiv oder zu doof, um es zu verstehen, aber ich denke mir so oft, wie es wohl wäre, wenn ihr in der Zeit, in der ihr Mütter wie mich drangsaliert, denen es ohnehin in der Gesellschaft schon schwer genug gemacht wird, richtige Verbrecher jagen würdet?!

Ein Danke hab ich aber dann doch: an die Kollegen, die vor einer Weile an der Allguth-Tankstelle wirklich sooooo supernett zu meinem Sohn waren und ihn auf dem Polizeimotorrad haben Probe sitzen lassen und geduldig seine vielen Fragen beantwortet haben. Das hat mein Herz ganz weich gemacht und mir gezeigt, dass unter der Uniform ab und zu doch ein echter Mensch steckt..

Und spätestens wenn Matheo alleine in die Schule fahren kann, verstehen WIR uns auch wieder;-)

 

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Tina und Meike

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