R.I.P. mein geliebter Toaster! Der etwas andere Produkttest!

14. November 2016 , In: Meike, ZweiBlicke , With: No Comments
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Lacht mich nicht aus, wenn ich euch heute verrate, dass ich emotional an meinem Toaster hänge. Er und ich führen seit über zwanzig Jahren eine absolut skandalfreie Beziehung. Gemeinsam haben wir Männer kommen und gehen sehen, sind mehrfach umgezogen, haben sogar ein paar Mal die Stadt gewechselt, zusammen unendlich viele Morgen-, Mittag- und Abend-Mahlzeiten hinter uns gebracht. In zwanzig Jahren kann viel passieren. Er hätte mich ja auch einfach von heute auf morgen verlassen können oder wenigstens einmal krank werden. Für einen Toaster sind zwanzig Jahre eine stolze Zahl. Doch er ist geblieben und kein einziges Zipperlein hat ihn je geplagt.

Ich weiß, in den Ohren der meisten Menschen klingt das als wäre ich nicht ganz dicht. Wer eine emotionale Bindung zu einem Elektrogerät hat, muss verrückt sein. Vor allem, wenn man sich einzig und allein wegen der emotionalen Bindung noch nie erkundigt hat, ob andere Mütter nicht auch schöne Söhne haben;-) Schließlich hat sich rein technisch in all der Zeit eine Menge getan. Dennoch kam es mir nie in den Sinn, meinen Alten gegen einen Neuen auszutauschen.

Noch ein klein wenig mehr als an meinem Toaster hänge ich übrigens an einer Pflanze, die den Namen Geldbaum trägt. Wie die Pflanze richtig heißt: keine Ahnung. Fakt ist, ich habe sie zusammen mit meinem Toaster von meiner Mama bekommen, an dem Tag als ich mein Elternhaus mit neunzehn verlassen habe. Seitdem sind wir drei ein Team. In einer neuen Wohnung zu Hause fühlen konnte ich mich von da an nur, wenn die zwei in der Nähe waren.

Unumstritten ist, dass wir alle drei mit den Jahren tatsächlich nicht jünger, fitter oder schöner geworden sind. Der Zahn der Zeit nagt. Aus meinem Geldbaum wurde mangels grünem Daumen ein hässlicher Vogel, doch ich liebe ihn. Marco hat schon alles versucht ihn aus dem Wohnzimmer zu mobben, doch in diesem Punkt bin ich unerbittlich. Solange er lebt, bleibt er bei mir – und es ist mir egal, dass er rein optisch wirklich gar nichts mehr hermacht.

Auch der Toaster hat selbstredend Bleiberecht bis zum Tod, allerdings hat eben genau dieser Genosse vor einer Weile das erste Mal leise an die Küchentür geklopft. Das Qualmen und Stinken konnte er nicht ignorieren. Darüber hinaus wurden die Brötchen oder Toasts vermehrt schwarz anstatt braun, unabhängig davon, welchen Bräunungsgrad man gewählt hat. Kurzum: ich wusste, ich würde endgültig Abschied nehmen müssen!

R.I.P. mein geliebter Toaster! R.I.P. tausend Momente, die mich mit dir verbinden!

Okay, okay, ich gebe zu, es geht nicht nur um den Toaster allein. Es geht nicht nur darum, dass er so lange ein Stück chromfarbenes Heimatgefühl war… Es geht darum, dass ich schlecht loslassen kann…

Mein Mann ist ja eher ein pragmatischer Mensch: er besorgte mir einfach einen neuen und so stand letztens urplötzlich ein nigelnagelneues, hochmodernes Modell auf dem Tisch. Tadaaaaaaaa!

„Aha“, sage ich zu ihm, „so einfach geht das bei dir? Tauschst du mich auch so einfach aus, wenn ich mal qualme und stinke?“, blaffe ich noch hinterher.
„Schatz! Das ist nicht nur irgendein Toaster. Der ist von Carrera!“, sagt der Mann.
„Ja, und?“, frage ich. („Machen die nicht Rennbahnen, solche, die oben auf unserem Speicher verrotten, weil Matheo sich dafür nicht interessiert und du trotzdem zwei gekauft hast?“, füge ich in Gedanken hinzu.)
„Ich hab mich beraten lassen!“,
kommt als Antwort.
„Beraten lassen, ja klar. Und wie der schon heißt, No. 552, kann der ja gleich der Kumpel von R2D2 werden und im nächsten Star Wars mitspielen!“,
heul ich vor mich hin.

Als der Mann kopfschüttelnd weglatscht und mich mit Mr. Perfect allein zurücklässt, öffne ich den stilvollen, schwarzen Karton mit der Carrera-Prägung (jaa, ich gebe zu, nicht so schlecht!), in dem sich der Toaster befindet.
Aber aufgepasst: nochmals liebevoll eingepackt in ein kleines schwarzes Stoff-Beutelchen! Wie süß ist das denn?

Dennoch begutachte ich ihn zunächst argwöhnisch als er da so auf dem Tisch steht, genau auf dem Platz, auf dem sonst immer… Egal… Tief in mir drin will ich den Neuen ja schon deswegen nicht gut finden, weil der Mann ihn mir einfach so ohne zu fragen aufs Auge gedrückt hat. Kindisch, ich weiß.

Naja, aber hübsch ausschauen tut er schon irgendwie.

Ich schnappe mir den Beipackzettel. Er hat Quarz-Keramik-Röhren, sodass beim Toasten keine Formaldehyddämpfe mehr freigesetzt werden. „Formaldehyddämpfe! Ach du Scheiße, was bin ich nur für ein Mensch, für eine Mutter, darüber hab ich mir ja noch nie Gedanken gemacht.“
Zudem verbraucht viel weniger Strom als andere. Im Stand-by-Modus sogar gar keinen. Null, nada, nix. Mein Konto lässt danken;-)
Keine Heizdrähte mehr sondern Quarz-Keramik-Röhren, was soviel heißt wie: man kann da drin in den Röstkammern mit einem nassen Lappen rumwischen und nix passiert.
Es gibt eine Defrost Funktion (eine Boost-Funktion für extra schnelles Verdampfen von gefrorener Flüssigkeit) und Bräunungstufen von 1-9.

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Soweit so gut. Klingt ja alles ganz plausibel und ganz wunderbar.

„Aber ich weiß trotzdem nicht, ob ich dich überhaupt leiden kann!“, motze ich vor mich hin…

Nun…

Inzwischen haben wir ja ein paar mehr Tage und Mahlzeiten miteinander verbracht und ich muss sagen, dass wir ein wirkliches gutes Team sind. Alles, was der Mann („er hat sich vielleicht wirklich beraten lassen?!“) mir versprochen hat, das der Toaster können würden kann, kann er.

Zuverlässig. Diszpliniert. Jeden Tag.

Ich muss mir nicht mal mehr merken, auf welcher Stufe ich am liebsten toaste, das erledigt die Memory-Funktion für mich und das Auftau-Booster-Funktions-Teil macht sogar meine gefrorenen Sachen (ich liebe es Dinge einzufrieren, das gibt mir das Gefühl auch in Krisensituationen nahrungstechnisch für eine Weile gewappnet zu sein;-)) tiptop kross.

Ich bin happy, auch wenn mir mein alter Toaster natürlich fehlt. Weil ich bei seinem Anblick automatisch immer an meinen Freund Philipp denken musste, der mir mal meine Küchenwand bemalte, während ich mir grad eine Semmel röstete. An meine Freundin Martina, weil wir mal versucht haben, Käse darauf zu schmelzen, damit es wie Raclette schmeckt oder meinen Bruder, der es einmal geschafft, innerhalb von nur einer Stunde einen ganzen Laib Brot zu verdrücken, indem er im Minutentakt Brotscheiben schnitt und toastete und Honig drauf schmierte…

Aber, hey, wer sagt denn, dass das mit dem Carrera-Teil zu Ende sein muss?

Wir zwei schaffen uns einfach neue bleibende Erinnerungen… Vielleicht wie Matheo die Wand bemalt, während ich mir ein Brötchen röste, oder Matheo versucht seine Freundin zu beeindrucken, in dem er Käse darauf schmelzen möchte… Hach…

Darauf doch einen Toast: Auf UNSERE kommenden zwanzig Jahre, mein geliebter  Carrera No. 552 😉

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Bildcredit: Carrera

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Tina und Meike

Als Mütter wissen wir: Den geraden Weg gibt es nicht! Getreu unserem Motto „Wenn´s durch den Haupteingang nicht geht, dann nehmen wir eben die Seitentür“ suchen wir nach (technischen) Gadgets und anderen erzieherischen Überlebenshilfen und nehmen Euch ganz nebenbei mit auf eine humorvolle Reise durch unser Seelenleben. Erziehungsvorsprung durch (Überlebens-)Technik? Lasst es uns herausfinden!