Mama ist stolz auf dich!

29. Juli 2016 , In: Meike, ZweiBlicke , With: No Comments
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Mein lieber kleiner großer Mann,

eine kleine Ära geht heute zu Ende. Heute war der letzte Schultag der zweiten Klasse und das bedeutet nicht nur Ferienbeginn sondern auch Abschiednehmen. Abschiednehmen von einer Klassenlehrerin, wie wir sie uns nicht besser für Dich hätten wünschen können.

Eine Klassenlehrerin, die dich zuallererst als Mensch wahrgenommen hat, sich die Mühe gemacht hat, eine vertrauensvolle Beziehung zu dir aufzubauen, sodass du als starke, gefestigte Persönlichkeit durch deine zwei ersten Jahre Schulzeit gingst. Sie hat dafür gesorgt, dass Zusammenhalt, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft und Respekt ganz oben auf der Prioritätenliste deines Schulalltags stand, obwohl diese Fächer im Lehrplan nicht vorgesehen sind. Erst dann hat sie euch beigebracht wie Lesen, Schreiben, Rechnen geht.

Und das gar nicht mal so schlecht;-)

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Als ich vorhin an der Schule auf dich wartete, kamen viele Erinnerungen wieder in mir hoch.

Die Angst, die ich hatte, als sich am Tag deiner Einschulung die Klassentür hinter dir schloss und ich nicht wusste, welches Kind ich später wieder abholen würde. Was, wenn du wie dein Vater sagst, dass du nie wieder dorthin gehen würdest. Was, wenn du keinen Anschluss findest, was, wenn die Lehrerin die nicht leiden kann und du ihr nun zwei lange Jahre ausgeliefert bist, was, wenn du es nicht schaffst, dich über Stunden zu konzentrieren, dem Druck, der neuerdings schon in der Grundschule herrscht (wie ich es aus meiner Zeit als ABC-Schütze nicht kenne) nicht standhältst?

Was, wenn es sich herausstellt, dass Schule für dich jeden Tag Qual bedeutet, wir doch das falsche Schulsystem ausgewählt haben, weil du als der feinfühlige, eloquente, liebevolle, moralisch hoch anständige, frei- und querdenkende kleine Mann wie wir dich kennen vielleicht doch auf eine Schule hättest gehen sollen, die andere Wege gehen… Ich war so unsicher und habe mich dennoch aus einem Bauchgefühl heraus dafür entschieden, dich auf eine stinknormale staatliche Grundschule zu schicken und zu hoffen, dass du vom System nicht aufgefressen wirst.

Und was soll ich sagen, mein Schatz! Ich bin so unendlich stolz auf dich!

Du hast dir deine Persönlichkeit bewahrt, bist fair geblieben, hast dich nicht von anderen ausspielen lassen, hast dich für Schwächere eingesetzt, immer Herz gezeigt. Dass du gute Noten schreibst, hab ich nie von dir verlangt, dich zu nichts gedrängt, dir geholfen, wenn Not am Mann war, aber zu den Müttern, die sich jeden Tag stundenlang mit den Hausaufgaben ihres Kindes beschäftigen, gehörte ich nie. Alles, was du geschafft hast, hast du aus eigener Kraft erreicht. Dass du heute ein solches Zeugnis mit nach Hause gebracht hast, ist allein dein Verdienst, doch du weißt, wäre es anders, ich würde dich kein winziges Stück weniger lieben.

Stolz macht mich, wer du als Mensch bist, wie achtsam du mit deinen Mitmenschen umgehst, mit Tieren, der Natur und mit dir selbst. Stolz macht mich, wie riesig dein Herz ist, wie rein deine Seele, wie groß deine Träume und wie stark dein Wille. Stolz macht mich, dass du so unendlich viel Liebe in dir trägst und wie gerne du diese an andere weitergibst. Stolz macht mich, dass es dir nicht peinlich ist, mich jeden Morgen zum Abschied zu küssen und, dass du in der Lage bist so offen deine Gefühle zu zeigen.

So wie heute als du weinend aus der Schule kamst, weil du deine Klassenlehrerin so sehr vermissen wirst und es dir egal war, ob andere das doof finden. Lass dir das bitte niemals nehmen!

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Dein heutiger Eintrag im ICH-Heft: „Meine ersten beiden Schuljahre. Unsere tolle Lehrerin war die beste. Trotzdem bin ich traurig, weil sie nicht mehr mit uns lernt, aber: Frau Redel, ich, Matheo, werde immer an dich denken. Sie hören von mir. Tschüß.“

Matheo. Du bist großartig SO wie du bist. Die guten Noten sind nur das berühmte Tüpfelchen auf dem i.

Ich liebe dich so sehr, dass es keine Worte dafür gibt. Deine Mama.

 

PS: Und so sah übrigens mein Zeugnis der 2. Klasse aus;-)))

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Tina und Meike

Als Mütter wissen wir: Den geraden Weg gibt es nicht! Getreu unserem Motto „Wenn´s durch den Haupteingang nicht geht, dann nehmen wir eben die Seitentür“ suchen wir nach (technischen) Gadgets und anderen erzieherischen Überlebenshilfen und nehmen Euch ganz nebenbei mit auf eine humorvolle Reise durch unser Seelenleben. Erziehungsvorsprung durch (Überlebens-)Technik? Lasst es uns herausfinden!